Der Tag beginnt früh.
Noch ein letzter Blick aus dem Hotelfenster – und irgendwie spürt man schon, dass heute ein Übergang ist.
Wir verlassen Armenien.

Die Fahrt führt uns immer höher hinauf, bis wir schließlich auf rund 2000 Meter die Grenze erreichen.
Und dann wird es plötzlich ganz anders als gewohnt.

Kein einfaches Durchfahren.
Kein Sitzenbleiben im Bus.
Wir steigen aus.
Koffer in der Hand.
Und gehen zu Fuß über die Grenze.
Ein Schritt, der sich irgendwie besonders anfühlt.
Nicht nur von einem Land ins nächste –
sondern auch von einem Kapitel ins nächste.
Auf der anderen Seite wartet schon ein neuer Bus.
Und mit ihm auch eine neue Reiseleiterin.
Alles wirkt plötzlich ein bisschen anders.
Neue Sprache, neue Energie, ein neues Land.

Georgien.
Und während wir losfahren, beginnt sich die Landschaft langsam zu verändern.
Weit, ruhig, fast ein wenig rau.

Wir fahren durch kleine Dörfer,
sehen einfache Häuser,
Menschen in ihrem Alltag.

Eine Frau hängt draußen ihre Wäsche auf,
ganz selbstverständlich, ganz ruhig –
und genau solche Momente sind es, die bleiben.
Keine Sehenswürdigkeit.
Aber echtes Leben.

Die Straße zieht sich weiter durch die Landschaft,
und wir sind unterwegs Richtung Vardzia.
Weiter ging es durch die Berge – und plötzlich öffnete sich vor uns eine Landschaft, die fast unwirklich wirkte.

Die Höhlenstadt Wardia ist direkt in eine steile Felswand über dem Fluss Mtkwari geschlagen.

Auf rund 500 Metern zieht sich dieses beeindruckende Bauwerk entlang des Berges – einst verbunden durch ein Labyrinth aus Treppen, Gängen und Terrassen. Über 2.000 Höhlenräume wurden hier geschaffen, ein ganzer Ort im Inneren des Felsens.



Besonders berührt hat mich die kunstvoll restaurierte Kirche. Aus dem Stein herausgehauen, mit wunderschönen Fresken – ein Ort mit einer ganz eigenen, stillen Kraft.


Ich habe sogar ein Selfie mit einem der Mönche gemacht. Heute leben hier noch fünf von ihnen.



Wardia diente früher als Zufluchtsort und bot tausenden Menschen Schutz – man schätzt, dass hier 10.000 bis 20.000 Menschen untergebracht werden konnten.


Es ging viele Stufen hinauf und wieder hinunter – aber jede Einzelne hat sich gelohnt.

Ein Ort, der bleibt. Und einer, den ich von Herzen empfehlen kann.

Nach der Felsenstadt ging es weiter – und ehrlich gesagt hatten wir alle genau das Gleiche im Kopf: Essen.
Und nicht irgendeines.
Forelle. Frisch. Einfach. Perfekt.
Die Fahrt führte uns schließlich nach Borjomi, ein Ort, den man hier sofort mit Wasser verbindet. Nicht irgendeinem Wasser – sondern diesem berühmten, leicht nach Schwefel riechenden, angeblich heilenden Mineralwasser, das schon seit Jahrhunderten getrunken wird.


Im Hotel angekommen, lief alles ganz typisch ab:
Einchecken, Zimmer beziehen… und dann dieser Moment, den ich so liebe.
Balkon. Aussicht. Und plötzlich ein Gespräch.

Ein kleines „Balkontratscherl“ mit unserer Nachbarin Elfriede, das eigentlich nur kurz sein sollte – und dann doch länger wurde. So sind sie, diese Reisebegegnungen. Ungeplant, leicht, irgendwie schön.
Danach zog es uns direkt weiter in den Park – zum bekannten Borjomi Central Park.



Dort fließt es also, dieses Wasser, das gut für Magen und Darm sein soll.
Man kann es direkt vor Ort zapfen.
Und ja… wir haben natürlich probiert.

Sagen wir so:
Der gesundheitliche Nutzen steht außer Frage –
der Geschmack… ist gewöhnungsbedürftig 😄

Aber genau das macht es irgendwie aus. Es gehört dazu. Wie so vieles auf Reisen, das man nicht unbedingt liebt – aber trotzdem nicht missen möchte.



Am Abend wurde es dann nochmal richtig gemütlich.
Und dann sitzen wir da.
Gemeinsam an einem Tisch.
Andrea und Hubert,
Gerda & Klaus,
die man vorher nicht kannte
und die einem plötzlich richtig sympathisch sind.
Ganz unkompliziert.
Ganz angenehm.
Und auch abseits davon gibt es immer wieder diese kleinen Begegnungen –
im Bus, beim Warten, irgendwo zwischendurch.
Mit Menschen wie Reinhard oder Agnes oder Elfriede.

Man redet, lacht,
teilt den Abend miteinander –
und merkt, wie schnell aus Fremden
irgendwie vertraute Gesichter werden.

Es gab Sashlik – saftig gegrillte Fleischspieße – und natürlich Khinkali, diese wunderbar gefüllten Teigtaschen, bei denen man nie genau weiß, ob man zuerst lachen oder sich konzentrieren soll, damit die Suppe nicht überall landet.


Wir haben beides getan.
Gelacht. Gegessen. Getrunken. Erzählt.
Und irgendwann saßen wir einfach nur da, ein bisschen müde, ein bisschen glücklich –
mit diesem Gefühl, dass genau solche Abende die sind, die bleiben.
Kein großes Highlight.
Kein „Wow-Moment“.
Aber einer, der sich richtig anfühlt.
Am nächsten Morgen ging es weiter entlang der alten Seidenstraße in die Kartli-Region, bis wir schließlich Gori erreichten.



Eine Stadt, die man vielleicht nicht unbedingt wegen ihrer Schönheit kennt –
sondern wegen einer Person, die hier geboren wurde: Josef Stalin.



Mitten im Ort steht noch ummantelt von einem hohen Zaun sein Geburtshaus.
Ein kleines, unscheinbares Gebäude – fast im Kontrast zu dem, was später aus seinem Leben geworden ist.


Wir werfen auch einen kurzen Blick in das Museum.
Sein Arbeitszimmer, persönliche Gegenstände – alles wirkt fast greifbar nah.





Und doch fühlt es sich schwer an.
Es ist einer dieser Orte, an denen man nicht einfach nur schaut,
sondern automatisch nachdenkt.
Über Geschichte.
Über Macht.
Und darüber, wozu Menschen fähig sind.

Ich stehe dort, mache ein Foto – mit einem bewusst ernsten Blick,
weil es sich genau so anfühlt.

Man geht weiter.
Aber nicht ganz unberührt.
Weiter geht es zur Höhlenstadt Uplistsikhe – ein Ort, der sich anfühlt, als würde man mehrere tausend Jahre zurückreisen.

Bereits im 1. Jahrtausend vor Christus entstand hier eine Stadt, die direkt in den Fels geschlagen wurde. Ein bedeutender Abschnitt der alten Seidenstraße führte genau hier vorbei.


Und während man durch die Anlage geht, wird schnell klar:
Das war kein einfacher Ort – das war eine richtige Stadt.

Straßen, Räume, ein Theater, sogar Paläste – alles ist noch erkennbar.
Man kann sich vorstellen, wie hier einmal Leben stattgefunden hat.

Es geht wieder über Stufen, durch Höhlen, hinauf und hinunter.
Und oben angekommen eröffnet sich ein weiter Blick über die Landschaft – ruhig, fast zeitlos.

Ein Ort, der fasziniert.
Und gleichzeitig ein bisschen nachdenklich macht.


Zurück ging es durch einen Tunnel.

Hoch über Mzcheta
Es gibt Orte, die wirken schon von Weitem – und genau so ein Ort ist das Jvari-Kloster.
Hoch oben auf einem Hügel thront es still über der Landschaft, während sich unter uns zwei Flüsse treffen und die alte Hauptstadt Georgiens wie ein kleines Mosaik aus Geschichte wirkt.


Der Blick von hier oben ist mehr als nur schön. Er ist ruhig. Weit. Und irgendwie besonders.

Weiter ging es hinunter nach Mzcheta – einst Hauptstadt, heute Herz der georgischen Spiritualität. Zwischen alten Mauern und Kopfsteinpflaster spürt man sofort, dass dieser Ort eine andere Zeit in sich trägt.

Von hier oben hatten wir einen wunderschönen Blick auf die Swetizchoweli-Kathedrale, die eingebettet in die Stadt unter uns lag – ruhig, kraftvoll und voller Geschichte.
Weiter ging es hinunter nach Mzcheta. Zwischen alten Mauern und kleinen Gassen spürt man sofort, dass dieser Ort eine besondere Bedeutung hat. Einst Hauptstadt, heute das religiöse Herz Georgiens.
Die Swetizchoweli-Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert beeindruckte uns nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Ausstrahlung. Ein Ort, der nicht laut sein muss, um Wirkung zu haben. Der Legende nach soll sich hier der Leibrock Christi befinden.
Und während wir durch die Kathedrale gingen, wurde es still. So eine Stille, die nicht leer ist – sondern erfüllt.

Plötzlich zog leise Bewegung durch den Raum. Ein Brautpaar stand vorm Altar. Kein Trubel, kein Lärm – nur dieser besondere Moment, der sich fast selbstverständlich in die Ruhe der Kirche einfügte. Für einen Augenblick fühlte es sich an, als würde die Zeit noch ein kleines bisschen langsamer gehen.

Draußen wartete wieder das Leben auf uns – warm, lebendig, voller Stimmen.
Anschließend gingen wir in ein typisches, traditionelles Restaurant und aßen Khachapuri – goldbraun, käsig, genau so, wie man es sich hier wünscht.

Als Dessert gab’s beim nächsten Stand etwas Süßes: Baumkuchen, gefüllt mit frischem Obst und einer Kugel Eis obendrauf. Süß, klebrig, ein bisschen zu viel – aber genau richtig.

Nach dem Dessert machten wir noch eine Weinverkostung. Für mich hatte der Wein allerdings zu viel Säure – einer dieser Geschmäcker, die man respektiert, aber nicht unbedingt liebt.

Hier gehört es fast dazu, dass Fotografen dich ungefragt ablichten und dir kurz darauf deine Fotos – bei uns sogar auf kleinen keramischen Tellern – zum Kauf anbieten. Erstaunlich war, dass sie genau wussten, zu welchem Bus wir gehörten. Gekauft haben wir sie trotzdem nicht.


Dann ging die Fahrt weiter.
Die Fahrt nach Kazbegi führte uns über die Georgische Heerstraße, vorbei am Skigebiet von Gudauri. Dort legten wir eine kurze Pause ein, bevor es weiter hinauf in Richtung Kreuzpass ging.


Die Landschaft wurde immer rauer, die Berge immer größer. Links und rechts türmten sich gewaltige Schneemassen, und auf etwa 2.300 Metern Höhe hielten wir schließlich an. Der Busfahrer meinte nur ruhig, dass es auch länger dauern könne – hier oben bestimmt die Natur das Tempo.

Gegen 20 Uhr, nach fast zwei Stunden Stillstand im LKW-Stau, kamen wir endlich in unserem Refugium an. Es war wirklich sehr rudimentär – aber genau das machte es irgendwie auch passend. Einfach, schlicht, zweckmäßig.

Nach einem richtig guten Abendessen fiel alle Anspannung langsam von uns ab. Und wenig später fielen wir einfach nur noch ins Bett.
Hinauf zur Gergeti-Kirche
Schon die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer. Mit dem Geländewagen ging es durch das Dorf Gergeti immer höher hinauf, über holprige Wege, vorbei an grünen Hängen – bis sich schließlich die Landschaft öffnete.


Und dann stand sie da. Die Gergeti-Kirche. Hoch oben auf 2.170 Metern, ruhig, kraftvoll, fast ein wenig entrückt von der Welt.


Von hier oben blickt man weit ins Tal des Terek hinunter, auf die kleine Siedlung Kazbegi – und wenn das Wetter mitspielt, zeigt sich auch der mächtige Kasbek.
Und wir hatten wieder einmal dieses Glück.


Der Himmel riss auf. Die Sonne kam durch.
Und plötzlich war er da – der Kasbek. Nicht ganz, aber genug, um seine Größe zu spüren.
Die Kirche selbst ist mehr als nur ein Bauwerk. Sie ist ein Ort, den man nicht nur sieht – sondern fühlt. Ein Kraftplatz.


Als wir eintraten, feierten die Mönche gerade eine Messe. Leise Gesänge, flackerndes Kerzenlicht, diese besondere Stimmung, die einen sofort still werden lässt. Mystisch. Tief. Echt.

Am Ende waren wir nur noch zu dritt in der Kirche.
Und dann kam der Moment, der bleibt.
Der Priester trat zu uns und segnete uns mit einem Kreuzzeichen.
Es war kein großes Ereignis – und genau deshalb so besonders.
So viel Ruhe. So viel Gefühl.

Ein Ort, der nicht laut ist – aber lange nachklingt.
Weiter ging’s Richtung Tiflis – mit einem kurzen Stopp am Straßenrand.
Das kleine Straßenrandgeschäft mit den flauschigen Fellhauben wirkte irgendwie skurril und gleichzeitig total authentisch.

Die Fahrt führte uns durch ruhige, nebelverhangene Berglandschaften, die fast schon etwas Magisches hatten.

Besonders auffällig war die gelbe Gasleitung, die einfach oberirdisch durch die Natur verlief – ungewohnt, aber faszinierend.

Hier machten wir einen kurzen Stopp bei der Ananuri Festung – mit Blick auf die alten Mauern und die Kirche dahinter.



Und dann dieses Plakat: „Bring me a coffee & tell me I’m pretty“ – ich musste so lachen, da war das Selfie Pflicht 😄

In Tbilisi angekommen, bestaunten wir zuerst die außergewöhnliche Bank of Georgia Headquarters – auch „Schuhschachtelhaus“ genannt – bevor wir in einer alten Karawanserei Mittag aßen.


Die Vorspeisen waren bunt, typisch georgisch und einfach köstlich.

Gemeinsam mit unserer Gruppe genossen wir die besondere Atmosphäre.
Und mitten in der Stadt: ein Werk von Rezo Gabriadze, der selbst Strommasten zu kleinen Kunstwerken macht.

In Tbilisi schlenderten wir durch die lebendigen Straßen der Altstadt bis ins Viertel Abanotubani.

Vorbei an kleinen Brücken – viele davon voller bunter Herz-Schlösser – führte uns der Weg bis zum Wasserfall.



Bei strahlendem Sonnenschein zeigte sich die Stadt von ihrer schönsten Seite.

Die Anchiskhati Basilica of St. Mary – von außen ganz schlicht …

… und innen plötzlich diese Ruhe.
Kerzenlicht, leise Stimmen, goldene Ikonen.

Mitten im lebendigen Tbilisi ein Ort, der einen einfach still werden lässt.
Unten bei der Gondel stand ein kurioser Kunstbaum – aus Metall, verspielt, irgendwie lebendig.

Dann ging es mit der Seilbahn hinauf auf den Narikala-Berg.

Oben wartete sie schon: die Mutter von Georgien.
Still. Groß. Eindrucksvoll.

Die Aussicht?
Einfach atemberaubend.
Ganz Tiflis lag uns zu Füßen.


Und trotzdem – zwischen all der Schönheit – ein Moment, der nachdenklich machte:
Adler, die für Fotos gehalten wurden.
Nichts für mich.

Beim Hinunterfahren wurde es plötzlich still.
So ein stilles Staunen, das man gar nicht groß kommentieren möchte.

Vor uns lag sie – die goldene Sameba-Kathedrale – fast wie gemalt zwischen all den Häusern.
Und weiter unten, eingebettet am Fluss, die Metekhi-Kirche, die so wirkt, als würde sie einfach dazugehören. Schon immer.

Und dann dieser Moment unten an der Gondelstation.
Wir saßen gemeinsam auf der Bank, ein Chinese neben uns, der sich ehrlich gefreut hat, dass wir uns einfach dazugesetzt haben.
Kein großes Gespräch.
Aber dieses Lächeln – das war irgendwie mehr wert als Worte.

Weiter ging’s durch Tiflis.
Vorbei an einer dieser Bars, bei denen man automatisch langsamer wird.
Wo man kurz stehen bleibt.
Wo man sich denkt: Hier könnte ich jetzt einfach sitzen bleiben.

Die Straßen waren lebendig.
Laut, bunt, voller Stimmen.
Und dann – wie so oft in dieser Stadt – plötzlich dieses Gefühl von Gemütlichkeit.
Eine kleine Gasse, Lichterketten, Menschen beim Essen, Lachen, Reden.


Und schließlich standen wir vor ihr: der Friedensbrücke.


Modern.
Ein bisschen futuristisch.
Und gleichzeitig irgendwie genau richtig für diese Stadt, die ständig zwischen alt und neu tanzt.

Am Abend sind wir noch einmal zurückgekommen.
Die Brücke leuchtete.
Menschen standen darauf, blieben stehen, schauten, genossen.

Und wir mittendrin.
Tiflis hat etwas.
Man kann es nicht wirklich erklären.
Aber man merkt es sofort.
Und genau dort endet unser zweiter Teil.
Der Rest?
Kommt am Freitag.

