Samstag am Wörthersee.
Schon bei der Anfahrt merkt man sofort:
Hier liegt etwas in der Luft.

Motorengeräusche. Menschen am Straßenrand. Polierte Autos, die glänzen wie Schmuckstücke. Gruppen von Jugendlichen mit Campingstühlen. Familien. Fotografen. PS-Begeisterte, die jedes Detail kennen und mit leuchtenden Augen über Felgen, Motoren und Sound diskutieren.
Das ehemalige GTI-Treffen lebt wieder.

Vielleicht unter anderem Namen.
Aber die Begeisterung der Menschen ist dieselbe geblieben.
Und ehrlich?
Genau das finde ich irgendwie schön.
Diese Leidenschaft. Dieses Brennen für etwas. Dieses Stolzsein auf das, was man liebt.

Man muss nicht alles selbst verstehen, um zu spüren, wie viel Herz da drinnen steckt.
Mittendrin wir.
Mit Toni.
Und meine Mutti vorne am Beifahrersitz.
86 Jahre alt, Musik im Hintergrund, leichtes Mitwippen im Takt und dieses zufriedene Grinsen im Gesicht.
Und genau in solchen Momenten denke ich mir oft:
Vielleicht geht es im Leben gar nicht darum, jung zu bleiben.
Sondern darum, sich die Freude nicht nehmen zu lassen.
Als wir in Reifnitz ankamen, wartete Charly schon auf uns.
Dieses Gefühl, wenn Toni langsam einrollt und man weiß:
Jetzt beginnt das Wochenende.
Kein Stress.
Keine Termine.
Einfach unterwegs sein.
Später machten Charly und ich noch eine Runde Richtung Velden und wieder retour über Schiefling.
Und überall dasselbe Bild:

Menschen sitzen am Straßenrand, filmen vorbeifahrende Autos, lachen, applaudieren, unterhalten sich mit völlig Fremden.

Die Straßen voller Leben.
Der Duft von Grillerei irgendwo zwischen den Häusern.
Polizeiautos am Straßenrand.
Gummispuren auf dem Asphalt.
Und dazwischen Menschen, die stundenlang warten, nur um ein besonderes Auto vorbeifahren zu sehen.
Und plötzlich merkt man:
Es geht hier eigentlich gar nicht nur um Autos.
Es geht um Leidenschaft.
Um dieses Gefühl, für etwas zu brennen.
Am Nachmittag wurde es dann plötzlich ganz ruhig.
Kaffeeplauscherl mit meiner Freundin Heidi.
Und ich mag genau diese Wechsel im Leben.
Am Vormittag Motorensound und Menschenmengen.
Am Nachmittag Kaffee, Gespräche und Lachen.
Vielleicht macht genau das ein schönes Wochenende aus.
Dass nicht alles gleich ist.
Am Abend wurde dann Jolly gespielt.
Mit Mutti.
Mit Charly.
Und ich glaube, solche Abende werden mit den Jahren immer wertvoller.
Zusammensitzen. Karten spielen. Schmäh führen. Sich gegenseitig aufziehen. Lachen.
Nichts Weltbewegendes.
Und gleichzeitig irgendwie alles.
Später lief noch der Eurovision Song Contest.
Und während draußen irgendwo noch Motoren aufheulten, saßen wir gemütlich zusammen und diskutierten darüber, welches Lied gewinnen wird.
Auch das gehört irgendwie zum Leben.
Diese völlig unterschiedlichen Welten, die manchmal an einem einzigen Wochenende zusammenkommen.
Heute in der Früh sind Charly und ich dann noch eine Runde laufen gegangen.
Und ehrlich?
Wir waren fast ein bisschen überrascht.
Gestern noch Motorengeräusche, Menschenmengen und PS-Show rund um den Wörthersee.
Und heute?

Fast niemand unterwegs.
Die Sonne glitzert auf dem Wasser.
Keine laute Musik.
Kein Müll.
Keine Menschenmassen.
Nur Ruhe.
Fast ein bisschen unwirklich.

Die Enten schwimmen gemütlich am Steg vorbei, der See liegt ganz still da und plötzlich wirkt alles wieder wie ein ganz normaler Sonntagmorgen am Wörthersee.

Und genau dieser Kontrast war irgendwie schön.
Dass ein Ort innerhalb weniger Stunden völlig unterschiedlich sein kann.
Gestern laut.
Heute leise.
Und beides hatte seinen ganz eigenen Zauber.
Später sind Mutti und ich dann noch nach Velden gefahren.
Einfach auf ein kleines Erfrischungsgetränk in der Sonne.
Und ich muss ehrlich sagen:
Velden hat schon ein ganz besonderes Gefühl.

Die Sonne.
Die Menschen.
Der See.
Diese entspannte Stimmung.
Und obwohl das GTI-Treffen heute viel ruhiger war als früher, hat man die Begeisterung trotzdem noch überall gespürt.

Hier ein tiefergelegter BMW.
Dort ein liebevoll umgebautes Auto mit glänzendem Lack.
Menschen, die stehen bleiben, schauen, fotografieren und fachsimpeln.

Und irgendwie mag ich das.
Nicht einmal wegen der Autos selbst.
Sondern weil man merkt:
Da steckt Leidenschaft dahinter.
Menschen investieren Zeit, Ideen und Herzblut in etwas, das ihnen Freude macht.
Und genau das spürt man.

Mutti saß neben mir, wir lachten, genossen die Sonne und beobachteten einfach das Leben rund um uns.
Heute wurde dann noch am Balkon gegrillt.

Mit Blick hinaus.
Mit diesem typischen Sonntagsgefühl, das irgendwie automatisch ruhiger ist.
Bevor wir am Nachmittag wieder mit Toni Richtung Heimat aufgebrochen sind.
Und während Toni langsam Richtung Heimat rollte, dachte ich mir plötzlich:
Wie schön es eigentlich ist, wenn Menschen noch für etwas brennen.
Die einen für ihre Autos.
Die anderen für Musik.
Für gemeinsame Abende.
Für Gespräche.
Für ein Kartenspiel am Balkon.
Vielleicht hält uns genau das jung.
Nicht das Alter.
Nicht die Zahl.
Sondern die Fähigkeit, sich noch begeistern zu können.

