Nach dem Frühstück machten wir uns noch einmal zu Fuß auf den Weg durch Puno. Die Sonne strahlte vom Himmel, und die Temperaturen waren angenehm – perfekt für einen letzten Spaziergang durch die Stadt.
Gemütlich schlenderten wir die berühmte Jirón Lima entlang, die zentrale Fußgängerzone von Puno. Die liebevoll gestalteten Steinmosaike auf dem Boden, die bunten Fassaden, kleinen Geschäfte und Cafés verliehen der Straße eine ganz besondere Atmosphäre.


Von dort spazierten wir weiter zum Parque Pino, einem der bekanntesten Plätze in Puno.

Direkt daneben steht die Kirche San Juan Bautista, die dem Platz gemeinsam mit den bunten Häuserfassaden eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Während unseres Spaziergangs durch das Zentrum von Puno bemerkten wir aber auch eine andere Seite der Stadt. Man spürt hier deutlich, dass man sich in einer Grenzregion befindet und die wirtschaftlichen Unterschiede größer sind als in vielen europäischen Städten. Immer wieder begegneten wir Menschen, deren Lebensumstände nicht einfach zu sein scheinen.


Als wir die Kathedrale besuchten, war diese ungewöhnlich gut gefüllt. Zahlreiche junge Menschen, offenbar Angehörige einer Universität oder Bildungseinrichtung, hatten sich dort versammelt. Kurz darauf strömten viele von ihnen auf den Hauptplatz vor der Kathedrale.


Auch die Polizei war mit zahlreichen Einsatzkräften und Schutzschildern präsent. Auf dem Platz herrschte eine spürbare Anspannung, und man hatte das Gefühl, dass die Stadt an diesem Vormittag in Bewegung war.

Je länger wir durch die Stadt spazierten, desto mehr bemerkten wir auch die Gegensätze, die Puno prägen. Neben den schönen Plätzen und den farbenfrohen Fassaden sahen wir auch Armut und soziale Herausforderungen, die im Alltag vieler Menschen sichtbar sind.
An diesem Vormittag war die Stimmung in der Stadt zudem ungewöhnlich angespannt. Vor der Kathedrale und auf dem Hauptplatz hatten sich zahlreiche Studierende versammelt. Wie wir erfuhren, ging es um Proteste gegen Missstände im Universitätsbereich. Polizeikräfte waren bereits mit Schutzschildern vor Ort, und auf dem Platz herrschte deutlich mehr Unruhe als an den Tagen zuvor.
Wir hatten nicht den Eindruck, dass unmittelbar etwas passieren würde, dennoch entschieden wir uns, die Situation aufmerksam zu beobachten und nicht länger als nötig im Zentrum zu bleiben. Reisen bedeutet für uns auch, auf das eigene Bauchgefühl zu hören.
Deshalb kehrten wir zunächst ins Hotel zurück und organisierten uns ein Taxi zum Mirador Kuntur Wasi. Der Aussichtspunkt liegt oberhalb von Puno und etwas abseits des Trubels der Innenstadt. Nach den vielen Eindrücken des Vormittags freuten wir uns darauf, die Stadt noch einmal von oben zu betrachten.

Die Fahrt hinauf zum Mirador Kuntur Wasi war ein kleines Abenteuer für sich. Die Straßen wurden immer steiler und holpriger, und so mancher Abschnitt verlangte unserem Taxi einiges ab. Zum Glück hatten wir einen ausgezeichneten Fahrer, der die engen Gassen und die teilweise recht anspruchsvolle Strecke mit großer Ruhe und viel Können meisterte.

Wenig später standen wir schließlich vor dem gewaltigen Kondor, dem Wahrzeichen des Aussichtspunktes. Hoch über der Stadt wacht die riesige Statue des Königs der Anden über Puno und den Titicacasee. Schon allein dieser Anblick war beeindruckend.

Noch beeindruckender war jedoch die Aussicht. Unter uns lag Puno mit seinen bunten Häusern, dahinter glitzerte der Titicacasee in der Sonne, und über allem spannte sich ein tiefblauer Himmel. Bei herrlichem Sonnenschein und auf fast 3.900 Metern Höhe genossen wir diesen besonderen Moment.

Es war der perfekte Ort, um Abschied zu nehmen. Noch einmal ließen wir den Blick über die Stadt und den See schweifen und dachten an die vielen Erlebnisse diese schöne Zeit zurück. Die Uros-Inseln, die Begegnungen mit den Menschen, die Folklore, die Weite des Titicacasees – all das lag nun vor uns wie ein großes Erinnerungsalbum.

Ein schönerer Abschied von Puno hätte kaum möglich sein können.
Da wir aufgrund der angespannten Situation in der Stadt nicht mehr länger durch das Zentrum spazieren wollten, beschlossen wir kurzerhand, unseren für 13 Uhr geplanten Transfer vorzuziehen. Statt die Zeit in Puno abzuwarten, wollten wir lieber noch einen letzten Ausflug machen und die berühmten Grabtürme von Sillustani besuchen, die ohnehin auf dem Weg zum Flughafen liegen.
Gesagt, getan. Transferfirma angerufen, verhandelt. Bereits eine halbe Stunde später stand unser Fahrer vor dem Hotel und holte uns ab. Im Nachhinein war das eine sehr gute Entscheidung.

Denn als wir Puno verließen, bemerkten wir, dass die Sicherheitskräfte ihre Präsenz weiter verstärkten. Immer mehr Polizeieinheiten waren unterwegs, und schließlich sahen wir sogar Militärfahrzeuge in Richtung Stadtzentrum fahren. Die Proteste schienen sich weiter auszudehnen, und wir waren froh, die Stadt zu diesem Zeitpunkt bereits hinter uns gelassen zu haben.

Je weiter wir uns von Puno entfernten, desto ruhiger wurde die Stimmung.
Nach den Ereignissen des Vormittags fühlte sich die friedliche Landschaft beinahe wie eine andere Welt an.

Die Fahrt von Puno nach Sillustani war überraschend schön.

Von Pelikanen, Fischern und einer Privattour zum Schnäppchenpreis
Kaum hatten wir die Stadt hinter uns gelassen, veränderte sich die Landschaft spürbar. Die Häuser wurden weniger, die Straßen ruhiger, und vor uns öffnete sich die weite Hochebene des Altiplano.

Immer wieder sahen wir kleine Dörfer, Felder und einzelne Gehöfte. Dazwischen grasten Schafe, Alpakas und Rinder. Die Hektik und die angespannte Stimmung, die wir zuvor noch in Puno erlebt hatten, schienen mit jedem Kilometer weiter zurückzubleiben.


Je näher wir Sillustani kamen, desto beeindruckender wurde die Landschaft.

Die sanften Hügel, die weiten Ebenen und der tiefblaue Himmel vermittelten eine Ruhe, die man kaum beschreiben kann. Es war kaum vorstellbar, dass nur kurze Zeit zuvor noch Proteste und Polizeiaufgebote das Stadtbild geprägt hatten.

Schließlich erreichten wir den Parkplatz von Sillustani. Von dort führte ein schöner Fußweg hinauf zur archäologischen Anlage.

Doch schon nach den ersten Metern wurde klar, dass sich der Aufstieg lohnen würde. Vor uns lag der Umayo-See, dessen tiefblaues Wasser in der Sonne glitzerte. Und hoch über dem See erhoben sich die geheimnisvollen Chullpas, die jahrhundertealten Grabtürme von Sillustani.

Schön langsam machten wir uns auf den Weg nach oben. Auf knapp 4.000 Metern Höhe merkt man zwar jeden Schritt etwas mehr als gewohnt, doch der Aufstieg war deutlich leichter, als wir erwartet hatten. Immer wieder blieben wir stehen, weniger wegen der Anstrengung als vielmehr wegen der Aussicht, die mit jedem Meter beeindruckender wurde.

Oben angekommen standen wir schließlich vor den berühmten Chullpas von Sillustani. Diese mächtigen Grabtürme wurden vor vielen Jahrhunderten von den Colla und später von den Inka errichtet.

Einige der Türme sind erstaunlich gut erhalten und wirken selbst heute noch beeindruckend. Besonders faszinierend fanden wir die präzise Steinbearbeitung.


Manche der Türme bestehen aus riesigen Steinblöcken, die so exakt zusammengefügt wurden, dass man kaum eine Fuge erkennen kann.

Noch spannender war die Geschichte dahinter. Hier wurden einst wichtige Persönlichkeiten bestattet. Die Verstorbenen wurden gemeinsam mit wertvollen Gegenständen, Nahrung und persönlichen Besitztümern beigesetzt, da man an ein Weiterleben nach dem Tod glaubte.

Doch nicht nur die Grabtürme machten diesen Ort besonders.

Rund um die Anlage erstreckt sich der Umayo-See, dessen tiefblaues Wasser in der Sonne glitzerte. Die Kombination aus den jahrhundertealten Bauwerken, der stillen Landschaft und dem weiten Blick über die Hochebene verlieh dem Ort eine ganz besondere Atmosphäre.

Wir nahmen uns Zeit, zwischen den Ruinen umherzuschlendern, die verschiedenen Bauweisen der Türme zu vergleichen und die Aussicht zu genießen.

Es war ein wunderschöner letzter Blick auf das Altiplano und ein Ort, den wir ursprünglich nur als kurzen Zwischenstopp eingeplant hatten. Am Ende wurde er zu einem der schönsten Abschiedsmomente unserer Zeit am Titicacasee.

Nach unserem Rundgang durch Sillustani machten wir uns wieder auf den Rückweg. Gemächlich stiegen wir die Stufen hinunter und ließen die Eindrücke dieses besonderen Ortes noch einmal auf uns wirken. Die Grabtürme, die Geschichte und vor allem die wunderschöne Lage am Umayo-See hatten uns wirklich beeindruckt.

Unten angekommen fiel unser Blick noch einmal auf den See. Da kam uns ein Gedanke: Wenn in diesen kalten, klaren Gewässern Forellen leben, dann müssten sie hier eigentlich hervorragend schmecken.
Also beschlossen wir kurzerhand, vor der Weiterfahrt noch einkehren zu gehen. In einem kleinen Restaurant direkt in der Nähe fanden wir genau das, wonach wir gesucht hatten. Außer uns war niemand dort, sodass wir den Ort fast für uns alleine hatten.

Bestellt wurde natürlich Forelle – eine herrliche Regenbogenforelle aus der Region. Und was sollen wir sagen? Sie war einfach ausgezeichnet. Frisch, saftig und perfekt zubereitet. Vielleicht spielte auch die wunderschöne Umgebung eine Rolle, aber wir waren uns beide einig: Das war eine der besten Forellen, die wir seit Langem gegessen hatten.
Nach dem Essen setzten wir unsere Fahrt fort. Doch bevor es endgültig Richtung Flughafen ging, hatte unser Fahrer Luis noch eine kleine Überraschung für uns parat. Er hielt bei einer liebevoll gestalteten Anlage mit traditionellen kleinen Häusern an und fragte, ob wir uns das ansehen möchten.
Natürlich wollten wir.

Schon beim Aussteigen fühlten wir uns wie in einer kleinen anderen Welt. Die hübschen Häuschen waren mit viel Liebe gestaltet und fügten sich wunderbar in die Landschaft des Altiplano ein. Zwischen den Gebäuden liefen Lamas und Alpakas umher, die sich neugierig den Besuchern näherten und sich geduldig fotografieren ließen.


Besonders in Erinnerung geblieben ist uns die ältere Dame, die die Anlage betreute. Mit ihrer freundlichen Art und ihrer ruhigen Ausstrahlung schien sie perfekt zu diesem Ort zu passen. Man merkte sofort, wie viel Herzblut hier in alles gesteckt wurde.

Wir spazierten gemütlich durch die kleine Anlage, beobachteten die Tiere und genossen noch einmal die entspannte Atmosphäre.

Es war keiner dieser berühmten Orte, die in jedem Reiseführer stehen.
Gerade deshalb gefiel er uns so gut. Oft sind es die unerwarteten Stopps unterwegs, die einem besonders lange in Erinnerung bleiben.


Andere Länder – andere Sitten … wer reist, akzeptiert!


Für uns war dieser kurze Besuch jedenfalls ein wunderschöner Abschluss unserer Zeit im Altiplano, bevor wir die letzten Kilometer zum Flughafen in Angriff nahmen.


Am Flughafen wartete noch eine kleine Hürde auf uns. Für unseren zusätzlich eingepackten Day-Rucksack sollten wir extra bezahlen. Wir flogen mit einer Billig Airline Basic – nur mit Handgepäck (wie immer).
Also zogen wir kurzerhand unsere Jacken an und stopften alles, was irgendwie hineinpasste, in die Taschen. Mit prall gefüllten Jacken und gefühlt zwei Hüten auf dem Kopf gingen wir zum Gate.

Der Plan funktionierte – und wir konnten uns die zusätzlichen Gepäckgebühren sparen. 😄
Diesmal wohnten wir in einer Art Hostel – und wir waren wirklich positiv überrascht. Das Zimmer war groß genug, das Gemeinschaftsbad lag direkt nebenan und war sauber und gepflegt. Nach diesem langen Tag tat es einfach nur gut, endlich zu duschen, die Haare zu waschen und anschließend an der Bar ein kühles Bier zu genießen.
Das Hostel hatte eine gemütliche, lockere Atmosphäre. Alte Autos als Dekoration, eine kleine Bar, Reisende aus aller Welt – genau die Art von Ort, an der man sich sofort wohlfühlt.

So ließen wir den Tag entspannt ausklingen. Hinter uns lagen die Höhen von Cusco und Puno, der Titicacasee und viele neue Eindrücke. Vor uns wartete bereits das nächste Abenteuer.

Mit großer Vorfreude gingen wir schlafen, denn am nächsten Morgen hieß es früh aufstehen. Die geheimnisvollen Nazca-Linien warteten auf uns. Und darauf freuten wir uns schon ganz besonders. 😊✈️🌵
Zeitig in der Früh ging es heute wieder los. Um 5 Uhr waren wir geputzt und geschniegelt – na gut, eher verschlafen und mit Kaffee-Entzug – vor dem Hotel und warteten auf unseren Guide Rafael.

Und dann die erste Überraschung des Tages: Wir waren allein.
Eigentlich hatten wir die Tour über GetYourGuide als Gruppentour gebucht. Statt einer Reisegruppe, die sich um die besten Fensterplätze streitet oder noch schnell aufs WC muss, saßen nur Charly, ich, Guide Rafael und Fahrer Sergio im Auto.

Manchmal hat das Reiseglück eben einen richtig guten Tag.
Praktisch bekamen wir eine Privattour zum Preis einer Gruppenreise. Dagegen hatten wir natürlich keinerlei Einwände.

Schon kurz nach der Abfahrt begann die Sonne langsam über den Hügeln aufzusteigen. Die Landschaft war wunderschön. Links Wüste. Rechts Wüste. Dazwischen noch ein bisschen mehr Wüste. Und trotzdem war es faszinierend.
Die ersten Sonnenstrahlen tauchten die sandfarbenen Hügel in ein warmes Licht, und plötzlich wirkte die karge Landschaft fast magisch. Peru schafft es immer wieder, aus scheinbar „nichts“ etwas ganz Besonderes zu machen.
Unser erster Stopp war das kleine Fischerdorf San Andrés.

Dort herrschte bereits reges Treiben. Die Fischer waren schon seit Stunden unterwegs und brachten ihren Fang an Land. Während einige die Fische sortierten, saßen andere bereits beim Ausnehmen ihrer Beute.
Und wer stand natürlich schon in der ersten Reihe?
Die Pelikane.

Dutzende dieser beeindruckenden Vögel hatten es sich auf den Kaimauern bequem gemacht und beobachteten jede Bewegung der Fischer ganz genau. Man hatte fast das Gefühl, sie würden innerlich mitzählen:
“Der Fisch gehört mir. Der auch. Und der dort hinten sowieso.”

Geduldig warteten sie auf einen Happen, der vielleicht versehentlich herunterfallen könnte.
Wir hätten ihnen stundenlang zuschauen können.

Zwischen den Fischerbooten, den Palmen, dem Geruch nach Meer und dem geschäftigen Treiben kam plötzlich fast ein wenig Karibik-Feeling auf. Nicht unbedingt die Art von Karibik, die auf Postkarten gedruckt wird – aber eine echte, lebendige und authentische Version davon.
Die Ballestas-Inseln hatten andere Pläne
Als wir schließlich in Paracas ankamen, merkten wir sofort: Hier ist deutlich mehr los.

Nach den ruhigen Straßen und kleinen Fischerdörfern war plötzlich wieder Tourismus angesagt. Restaurants, Ausflugsboote, Souvenirstände und jede Menge Menschen, die genauso gespannt aufs Meer blickten wie wir.


Eigentlich hätten wir an diesem Vormittag zu den berühmten Ballestas-Inseln fahren sollen – oft auch als das „kleine Galápagos Perus“ bezeichnet. Dort leben Tausende Seevögel, Seelöwen und sogar Humboldt-Pinguine.

Doch das Meer hatte an diesem Tag andere Pläne.
Die Wellen waren zu hoch, die Überfahrt wurde gesperrt und die Boote durften nicht zu den Ballestas-Inseln hinausfahren. Natürlich waren wir zuerst ein wenig enttäuscht. Schließlich hatten wir uns schon darauf gefreut.
Aber manchmal entstehen gerade aus solchen Planänderungen die schönsten Erlebnisse.
Kurzerhand wurde das Programm geändert und wir fuhren stattdessen zur Isla Blanca, der Weißen Insel.


Schon die Bootsfahrt dorthin war wunderschön. Das Meer war deutlich ruhiger als draußen auf dem offenen Ozean, die Sonne strahlte vom Himmel und im Hintergrund erhoben sich die kahlen Sandberge der peruanischen Küste. Eine Landschaft, die gleichzeitig rau, trocken und faszinierend wirkt.



Kaum hatten noch nicht einmal die Insel erreicht, entdeckten wir die ersten Bewohner.

Auf einer kleinen Boje lagen mehrere Seelöwen und genossen sichtlich die Morgensonne. Manche dösten gemütlich vor sich hin, andere beobachteten neugierig die vorbeifahrenden Boote.

Einer schien sogar kurz darüber nachzudenken, ob er für die Touristen posieren sollte.
Der geheimnisvolle Candelabro von Paracas
Kurz nach den Seelöwen zeigte uns unser Guide ein weiteres Highlight der Küste. Hoch oben in den Sandhang gezeichnet tauchte plötzlich der sogenannte Candelabro von Paracas auf – eine riesige, über 180 Meter hohe Figur, die an einen Kerzenleuchter erinnert.

Bis heute weiß niemand genau, wer dieses Zeichen geschaffen hat und welchem Zweck es diente. Manche vermuten, dass es als Orientierungspunkt für Seefahrer genutzt wurde, andere sehen darin religiöse oder astronomische Bedeutungen. Sicher ist nur: Der Candelabro ist mehrere tausend Jahre alt und gehört zu den größten Geoglyphen Perus.

Beeindruckend fanden wir vor allem, dass die Figur trotz Wind, Sand und Wetter bis heute erstaunlich gut erhalten geblieben ist. Mitten in dieser kargen Wüstenlandschaft wirkt sie fast ein wenig geheimnisvoll – als hätte jemand vor langer Zeit eine Nachricht hinterlassen, die bis heute niemand vollständig entschlüsseln konnte.

Je näher wir den Felsen kamen, desto mehr Tiere konnten wir entdecken.

Überall saßen Vögel auf den steilen Klippen. Pelikane, Kormorane und andere Seevögel teilten sich die wenigen freien Plätze zwischen den Felsen. Besonders beeindruckend waren die rotfüßigen Kormorane mit ihren auffälligen roten Beinen und den farbigen Schnäbeln.



Rotfußscharben (auch Rotfuß-Kormorane genannt)

Zwischendurch entdeckten wir sogar die berühmten Humboldt-Pinguine.

Sie standen zwischen den Felsen, als hätten sie den ganzen Tag nichts anderes vor. Während manche neugierig in unsere Richtung blickten, schienen andere ihre Besucher komplett zu ignorieren.


Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt in eine kleine Höhle hinein. Dort saßen weitere Humboldt-Pinguine geschützt zwischen den Felsen. Das Licht spiegelte sich auf dem Wasser und für einen Moment war es erstaunlich ruhig.

Nur das Rufen der Vögel, das Plätschern der Wellen und gelegentlich das tiefe Brummen eines Seelöwen waren zu hören.

Je länger wir unterwegs waren, desto weniger dachten wir an die ausgefallenen Ballestas-Inseln.

Denn eigentlich hatten wir genau das bekommen, weshalb wir reisen: besondere Momente, überraschende Begegnungen und Geschichten, die man nicht planen kann.
Nach einer guten Stunden kehrten wir wieder nach Paracas zurück.
Und während wir vom Boot stiegen, waren wir uns beide einig:
Manchmal sind Plan B und Plan A überraschend nah beieinander. 😊

Am Pier begrüßte uns ein äußerst entspannter Seelöwe.


Während wir schon seit den frühen Morgenstunden unterwegs waren, genoss er die Sonne und machte den Eindruck, als hätte er für den restlichen Tag absolut keine Termine mehr. 😄🐬

Mit dem Buggy durch die Wüste von Paracas
Kaum zurück von den Ballestas-Inseln, wartete schon das nächste Abenteuer auf uns. Mit einem Tuk-Tuk fuhren wir durch Paracas zum Ausgangspunkt unserer Wüstentour.

Allein die Fahrt dorthin machte schon Spaß – laut, holprig und typisch südamerikanisch.

Gemeinsam mit einem weiteren Buggy und einem Motorrad als Begleitfahrzeug machten wir uns auf den Weg in die Reserva Nacional de Paracas.


Bereits nach wenigen Minuten verschwanden die letzten Häuser hinter uns und eine völlig andere Welt begann.

Die Landschaft wirkte beinahe unwirklich. Endlose Sandflächen, sanfte Dünen, karge Hügel und eine Stille, die man fast hören konnte. Mal leuchtete die Wüste hellbeige, dann wieder in warmen Braun- und Rottönen. Hinter jeder Kurve zeigte sie ein anderes Gesicht.

Besonders beeindruckend war der Kontrast zwischen der trockenen Wüste und dem tiefblauen Pazifik.

Immer wieder hielten wir an Aussichtspunkten, von denen wir auf einsame Buchten, steile Klippen und kilometerlange Küstenabschnitte blickten.
Einer dieser Orte war der berühmte Playa Roja – der Rote Strand. Sein ungewöhnlich dunkler, rötlicher Sand entsteht durch vulkanisches Gestein und macht ihn zu einem der außergewöhnlichsten Strände Perus.


Zwischendurch nahmen wir uns einfach Zeit. Zeit, um auf einer Mauer über dem Meer zu sitzen, den Wellen zuzusehen und die unglaubliche Weite auf uns wirken zu lassen. Kein Lärm, keine Hektik – nur Wind, Meer und Wüste.

Etwa eineinhalb Stunden waren wir unterwegs. Eine Tour voller Kontraste, die uns einmal mehr zeigte, wie vielfältig Peru ist. Wer denkt, Wüste sei eintönig, war noch nie in Paracas.

Vom Pazifik in die Welt des Pisco
Nach unserer Tour durch die Wüste von Paracas führte uns der Weg zurück ins Grüne. Kaum zu glauben, wie schnell sich die Landschaft verändern kann. Eben noch Sand, Felsen und Meer – kurze Zeit später saßen wir zwischen Bäumen, Weinreben und Palmen auf einem traditionellen Weingut.

Zum Mittagessen wurde uns ein typisches peruanisches Gericht serviert: Reis mit Huhn und frischem Gemüse. Einfach, herzhaft und sehr schmackhaft. Genau die richtige Stärkung nach den vielen Eindrücken des Tages.

Anschließend bekamen wir eine interessante Führung durch die Anlage.

Dabei erfuhren wir, wie Pisco hergestellt wird – der berühmte Traubenbrand Perus, aus dem auch der bekannte Pisco Sour gemixt wird. Von der Gärung der Trauben über die Destillation bis zur Lagerung wurde uns jeder Schritt erklärt. Besonders spannend war es, die traditionellen Geräte und Methoden zu sehen, die teilweise seit Generationen verwendet werden.


Natürlich durfte am Ende die Verkostung nicht fehlen. Wir probierten verschiedene Spezialitäten des Hauses – von klassischen Pisco-Varianten bis zu süßen Likören und Fruchtkreationen. Manche waren überraschend mild, andere hatten es durchaus in sich.


Nach der spannenden Pisco-Verkostung und den vielen interessanten Einblicken in die Herstellung ging es zurück zu unserem Hotel in Paracas.
Eigentlich hätten wir uns dort wirklich keinen traumhafter Pool erwartet. Einer von diesen Pools, bei denen man sich sofort eine Liege suchen und den Rest des Tages entspannen möchte. Doch Reisen heißt überrascht werden – top!

Das nächste Abenteuer wartete bereits auf uns.
Huacachina – Zwischen Oase, Achterbahn und Wüstenzauber
Dann ging es endlich los zum Buggyfahren.

Erst als wir vor diesen riesigen Fahrzeugen standen, wurde uns so richtig bewusst, wo wir eigentlich waren. Mitten in einer echten Oase. Rundherum nichts als Sand, Dünen und Wüste. Und dazwischen liegt Huacachina wie eine kleine grüne Insel in einer völlig anderen Welt.


Wir hatten das Glück, ganz vorne sitzen zu dürfen. Zumindest dachte ich zuerst, dass das Glück wäre.


Kaum waren wir losgefahren, ging es auch schon steil bergauf. Und dann wieder hinunter. Und wieder hinauf. Und noch steiler hinunter. Unser Fahrer schien fest entschlossen zu sein, aus der Wüste einen Freizeitpark zu machen. Von allen Buggys hatten wir gefühlt den wildesten Fahrer erwischt.

Für viele war das wahrscheinlich der Höhepunkt des Tages.

Für mich eher nicht.
Wer mich kennt, weiß: Ich hasse Achterbahnen. Wirklich. Während andere jubelten, klammerte ich mich fest und war überzeugt, dass meine letzte Stunde geschlagen hatte.

Anstatt die wunderschöne Landschaft zu genießen, war ich hauptsächlich damit beschäftigt, nicht die Nerven zu verlieren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den ersten Aussichtspunkt hoch oben in den Dünen. Und dort traf ich eine Entscheidung.

Ich fragte unseren Fahrer, ob er mich wieder zurück zur Oase bringen könnte.

Ganz gemütlich.
Ohne Sprünge.
Ohne Adrenalinschübe.
Ohne Todesangst.
Er grinste nur und sagte sofort zu.



Während Charly mit den anderen weiterfuhr, Sandboarding ausprobierte und sich begeistert ins nächste Abenteuer stürzte, bekam ich meine ganz persönliche Großmutter-Ausfahrt durch die Wüste.
Und wisst ihr was?
Ich habe jede Minute davon geliebt.
Plötzlich konnte ich die Landschaft sehen. Die endlosen Dünen. Die faszinierenden Schatten. Den Wind, der Muster in den Sand zeichnete. Die unglaubliche Ruhe. Kein Herzrasen mehr. Kein Festklammern. Kein mulmiges Gefühl.
Nur die Wüste und ich.

Langsam wurde mir klar, wie wunderschön dieser Ort eigentlich ist.
Zurück in der Oase ließ ich mich nieder und genoss die besondere Stimmung dieses ungewöhnlichen Fleckchens Erde. Während Charly irgendwo zwischen riesigen Sandbergen herumsauste, beobachtete ich das Leben rund um den kleinen See und war einfach nur froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Etwas später kam Charly zurück – voller Begeisterung, voller Geschichten und mit jeder Menge Fotos und Videos. Vom Sandboarding, von den rasanten Fahrten und von den gewaltigen Dünen, die sich bis zum Horizont erstreckten.
So hatte am Ende jeder von uns genau den perfekten Nachmittag erlebt.
Der eine mit Adrenalin.
Die andere mit Ruhe.
Und beide mit unvergesslichen Erinnerungen.
Am Abend ließen wir diesen ereignisreichen Tag gemütlich im Hotel ausklingen. Doch lange konnten wir uns nicht ausruhen, denn die Vorfreude auf den nächsten Tag war riesig.
Morgen wartet eines der größten Rätsel der Welt auf uns.
Die Nazca-Linien.
Aber davon erzähle ich euch im nächsten Blogbeitrag. ✈️🏜️✨

