Zwischen Mangroven, Meeresrauschen und Abschied


Die letzten Tage einer unvergesslichen Peru-Reise

Pünktlich am Morgen hielt das Tuk-Tuk vor unserem Hotel in Vichayito.

An diesen Ausblick kann man sich gewöhnen

Die Sonne stand bereits über dem Pazifik, die Luft war angenehm warm, und während andere noch beim Frühstück saßen, machten wir uns auf den Weg zu unserem letzten großen Ausflug in Peru.

Im Tuk-Tuk nach Mancora
Hafen

Nachdem alle Teilnehmer eingesammelt waren, machten wir uns auf den Weg Richtung Norden. Die Gruppe war bunt gemischt, und schnell wurde klar: Wir waren die einzigen deutsch- oder englischsprachigen Gäste. Der gesamte Ausflug fand auf Spanisch statt.

Für uns war das allerdings überhaupt kein Problem.

Nach mittlerweile einigen Wochen in Peru hatten wir festgestellt, dass man auch dann erstaunlich viel versteht, wenn man die Sprache nicht perfekt beherrscht. Ein paar Wörter hier, ein Lächeln dort, dazu Gesten und die Bereitschaft, sich aufeinander einzulassen – irgendwie funktioniert Kommunikation am Ende doch immer.

Straßensperren sieht man oft

Während draußen die trockene Landschaft vorbeizog, genossen wir die Fahrt und waren gespannt, was uns erwarten würde.

Unser erster Halt war Punta Sal.

Auf dem Weg in ein kleines Paradies

Schon als wir den Strandzugang erreichten, waren wir sprachlos. Vor uns lag ein Bilderbuchstrand, wie man ihn sich schöner kaum vorstellen kann. Heller Sand, türkisblaues Wasser und eine Weite, die sofort dieses Gefühl von Freiheit auslöst.

Manche Orte brauchen keine großen Worte. Sie wirken einfach.

Als wäre das nicht schon genug gewesen, warteten direkt am Strand zwei Liegestühle mit Sonnenschirm auf uns. Für eine Stunde konnten wir diesen kleinen Traumplatz genießen.

Top

Natürlich durfte auch ein Gruppenfoto nicht fehlen. Obwohl wir uns erst wenige Stunden kannten, gehörte das irgendwie dazu. Reisen verbindet Menschen oft schneller als viele Monate im Alltag.

Nette Gruppe

Danach zog es uns direkt ins Wasser.

Das Meer war angenehm warm, die Wellen sanft und die Stimmung einfach perfekt. Für einen Moment vergaßen wir völlig, dass unsere Peru-Reise sich langsam ihrem Ende näherte. Stattdessen genossen wir jeden einzelnen Augenblick, das Rauschen des Meeres, die Sonne auf der Haut und dieses wunderbare Gefühl, genau dort zu sein, wo man gerade sein möchte.

So schön sollte ein Strand sein

Eine Stunde verging erstaunlich schnell.

Einfach nur schön!

Und während wir noch einmal über den fast menschenleeren Strand blickten, ahnten wir bereits, dass dies einer jener Orte sein würde, an die wir uns noch lange erinnern würden.


Nach einer Stunde in Punta Sal hieß es wieder: einsteigen und weiterfahren.

Abfahrt

Unser nächstes Ziel lag etwa 45 Kilometer entfernt. Die Straße führte entlang der Küste nach Zorritos, einem weiteren bekannten Badeort im Norden Perus.

Wieder so ein schöner Strand

Als wir ankamen, erwartete uns erneut ein wunderschöner Sandstrand. Breite Dünen, wenige Menschen, das endlose Blau des Pazifiks und eine angenehme Ruhe, die sofort entschleunigte.

Lass das Kind in Dir nie sterben!
Cooler Wegweiser
Top Strand

Doch diesmal war es nicht der Strand, der uns am meisten beeindruckte.

Es war Manuel.

Manuel – ein Lebenskünstler

Manuel kommt ursprünglich aus Deutschland. Früher war er Lkw-Fahrer, heute verkauft er Kokosnüsse an einem Strand in Peru.

Ein Lebensweg, den man sich kaum ausdenken könnte.

Seit vielen Jahren lebt er hier. Seine kleine Bambushütte steht direkt am Strand. Ohne den Komfort, den wir aus Europa gewohnt sind. Dafür mit einem Blick aufs Meer, den man mit keinem Geld der Welt kaufen kann.

Während er uns eine frische Kokosnuss öffnete, erzählte er seine Geschichte.

Manuel bei seiner Kokosnuss

Von seinem Leben in Deutschland. Von Schwierigkeiten, die ihn schließlich auf Reisen schickten. Vom Amazonasgebiet in Kolumbien, von vielen Jahren unterwegs und von der Entscheidung, irgendwann einfach hierzubleiben.

Manuel wirkte nicht wie jemand, der etwas verloren hat.

Ganz im Gegenteil.

Er wirkte wie jemand, der etwas gefunden hat.

Vielleicht nicht Reichtum im klassischen Sinn. Aber Freiheit.

Speziell für uns aufbereitet – das Innere –
schmeckte lecker

Mit viel Charme, einem ansteckenden Lächeln und einer bemerkenswerten Gelassenheit erzählte er von seinem Alltag am Strand, von den Menschen, die vorbeikommen, und von den Herausforderungen des Lebens in dieser Region.

Dabei erfuhren wir auch, wie schnell sich hier alles verändern kann.

Erst am Vortag hatte das Meer einen großen Teil des Strandes überspült. Dort, wo wir nun gemütlich unter einem Sonnenschirm saßen und unsere Kokosnuss tranken, stand kurz zuvor noch das Wasser.

Mundete sehr gut

Auch von Straßenblockaden und Protesten berichtete er. Situationen, bei denen plötzlich Reifen zerstochen werden oder Straßen gesperrt sind. Dinge, die für uns kaum vorstellbar erscheinen, hier aber zum Alltag gehören können.

Während wir seiner Geschichte lauschten, blickten wir hinaus auf den Pazifik.

Die Wellen rollten gemächlich an den Strand. Die Kokosnuss schmeckte herrlich frisch. Und wieder einmal wurde uns bewusst, dass Reisen nicht nur aus Landschaften besteht.

Es sind die Begegnungen mit Menschen wie Manuel, die eine Reise wirklich besonders machen.

Irgendwann verabschiedeten wir uns von ihm, stiegen wieder in unseren Bus und setzten unsere Fahrt fort.

Mit einem Lächeln.

Und mit einer weiteren Geschichte im Gepäck.


Die Fahrt nach Puerto Pizarro war fast schon eine kleine Reise für sich.

Links und rechts wechselte die Landschaft ständig ihr Gesicht. Zuerst fuhren wir an riesigen Garnelenzuchten vorbei, dann an den weißen Salzfeldern, in denen unter der heißen Sonne Perus Salz gewonnen wird.

Garnelenzucht
Salzgewinnung

Wenig später bestimmten endlose Bananenplantagen das Bild und zeigten, wie fruchtbar die Region trotz der Nähe zur Küste ist.

Bananen-Plantagen

Gleichzeitig zeigte sich entlang der Straße auch eine andere Seite der Region: Immer wieder lagen Müll und Plastikabfälle am Straßenrand – ein Anblick, der so gar nicht zu der beeindruckenden Natur und den wunderschönen Landschaften passen wollte.

Mist liegt überall

Je näher wir Puerto Pizarro kamen, desto mehr Wasserwege und Kanäle tauchten auf. Fischerboote schaukelten am Ufer, während die Mangroven am Horizont immer dichter wurden.

Mangroven Boote

Am kleinen Hafen stiegen wir schließlich in eines der Mangrovenboote.

Beinfreiheit – juhu!
Ich liebe Bootfahrten

Mit Schwimmwesten ausgestattet begann unsere Fahrt durch die Wasserwelt der Mangroven – vorbei an Fischerbooten, Wasservögeln und den verwinkelten Kanälen dieser einzigartigen Landschaft.

Insel der Liebe

Unser erstes Ziel war die „Isla del Amor“ – die Insel der Liebe. Dort wartete direkt am Wasser unser Mittagessen. Barfuß im Sand, mit Blick auf die Mangroven und das ruhige Wasser, fühlte sich dieser Ort an wie eine kleine Auszeit vom Rest der Welt.

Mit Essen gestärkt ging’s in die Mangroven

Nach dem Mittagessen auf der Isla del Amor ging es weiter hinein in die Mangroven. 

234 ha groß ist das Gebiet

Die Mangrovenfahrt gehörte für mich zu den schönsten Momenten des Tages. Lautlos glitten wir durch die schmalen Kanäle, während die Mangroven ihre Wurzeln wie ein riesiges Geflecht ins Wasser streckten. Es wirkte fast so, als würden wir durch einen geheimen Wald fahren.

Viele Wurzeln!
Es war wunderschön
Wir fuhren durch richtige Mangroven-Tunnel
Fahrt entlang der Mangrovenwälder

Mitten in den Mangroven tauchte plötzlich eine Krokodilfarm auf. Eigentlich sind es Kaimane, die in dieser Region heimisch sind, doch hier wurden zahlreiche Krokodile gehalten. Der Anblick war bedrückend: viel zu viele Tiere auf viel zu engem Raum. Von artgerechter Haltung konnte keine Rede sein. Es war schwer, das mitanzusehen. 

Besuch einer Krokodilfarm
Diese Farm ist relativ groß
Sehr viele Krokodile
Die krabbeln übereinander so wenig Platz haben sie
Sie werden bis 6 Meter lang
Und große Krokodile sind sehr aggressiv
In der freien Natur möchte ich dem nicht begegnen
Ein Riese!

Es gab sogar einen „Kindergarten“ für die Jungtiere, in dem die kleinen Krokodile getrennt von den Erwachsenen gehalten wurden. 

Der Kindergarten

Es wird einem auf Reisen immer wieder bewusst, dass andere Länder oft einen anderen Umgang mit Tieren haben – auch wenn man ihn nicht unbedingt verstehen oder gutheißen muss.

Baden

Beim Ausgang warteten Souvenirhändler mit Muscheln, Korallen und allerlei Andenken aus dem Meer.

Aber trotzdem sehenswert

Besonders irritiert haben mich die getrockneten Seepferdchen, die dort offen verkauft wurden. Dabei stehen Seepferdchen in vielen Ländern unter Schutz und gelten als gefährdete Tiere. Ein Anblick, der nicht so recht zu der beeindruckenden Natur der Mangroven passen wollte.

Seepferdchen getrocknet – geht gar nicht!

Nach dem Besuch der Krokodilfarm stiegen wir wieder ins Boot und fuhren durch die stillen Kanäle des Mangrovenwaldes zurück. Noch einmal glitten wir vorbei an den verschlungenen Wurzeln und dem dichten Grün, das diese einzigartige Landschaft prägt.

Unser gemütliches Platzerl
Die Retourfahrt

Schließlich erreichten wir wieder den kleinen Hafen, wo unser Bus bereits auf uns wartete. Von dort ging es zurück Richtung Mancora – mit vielen Eindrücken eines abwechslungsreichen Tages zwischen Meer, Mangroven und den Menschen von Puerto Pizarro.


Gegen halb neun am Abend erreichten wir schließlich wieder den Ort Mancora für die Rückfahrt. Da die Hauptstraße wegen der Proteste erneut gesperrt war, mussten wir wieder auf ein Tuk-Tuk umsteigen.

Zu unserer Überraschung wurde unser bestellter Tuk-Tuk-Fahrer selbst zum Fußgänger. Er holte uns zu Fuß ab und führte uns einige Minuten zu seinem Tuk-Tuk, das bereits an einer improvisierten Tankstelle wartete.

Tuk-Tuk Tankstelle

Bevor die Fahrt losgehen konnte, musste erst Treibstoff nachgefüllt werden – aus einer Plastikflasche mit einer Flüssigkeit, die eher nach Abenteuer als nach Benzin aussah. Nachdem wir den Sprit bezahlt hatten, konnte die Heimreise beginnen.

„Tankwartin“

Auf dem Rückweg passierten wir kilometerlange LKW-Kolonnen, die wegen der Straßenblockaden auf die Aufhebung der Sperre warteten. Diese war erst für Mitternacht angekündigt.

Willkommen in Peru – man lernt, flexibel zu bleiben.

Gegen halb zehn erreichten wir schließlich müde, aber voller neuer Eindrücke unser Hotel.

Ein Cocktail geht immer 😉

Ein Morgen voller Wertschätzung

Als ich heute Morgen aufwachte, wartete bereits die erste Überraschung auf mich: 125 neue WhatsApp-Nachrichten.

125 Menschen hatten daran gedacht, mir zum Geburtstag zu gratulieren.

Ich machte es mir in der Hängematte auf unserem Balkon gemütlich, mit Blick auf den Pazifik, und begann, jede einzelne Nachricht zu lesen und zu beantworten. Dabei spürte ich etwas, das im Alltag oft untergeht: Wertschätzung.

So lässt sich‘s leben! Danke an alle!

Menschen, die sich Zeit nehmen. Menschen, die an dich denken. Menschen, die dir ein paar liebe Worte schicken.

Das ist vielleicht eines der schönsten Geschenke überhaupt.

Beim Frühstück wartete bereits die nächste Überraschung. Paula vom Hotel brachte mir einen kleinen Blueberry Cake mit Kerze an den Tisch – eine liebevolle Geste, die mich ehrlich berührt hat. Und der Kuchen war genauso gut, wie er aussah.

Paula – aus Argentinien – die Hotelchefin – total lieb!

Der letzte Gratulant des Morgens kam allerdings ohne Worte aus. Ein kleiner Vogel – eine Perutaube – mit leuchtend blauen Augen landete direkt neben unserem Frühstückstisch, schnappte sich ein paar Krümel und blieb einen Moment bei uns.

Bekam auch was ab vom Kuchen 😉

Ein schönerer Start in meinen Geburtstag hätte kaum sein können.

Vielen lieben Dank an alle Gratulanten!

Wunderschön

Bei unserem morgendlichen Strandspaziergang begegneten wir einem eleganten weißen Schneereiher, der mit seinen leuchtend gelben Füßen zwischen den Felsen nach Nahrung suchte.

Schneereiher in Peru 🇵🇪

Wenig später beobachteten wir Fischer, die frische Austern von den Austernbänken lösten. Direkt am Strand wurden die Schalen geöffnet und das Austernfleisch in kleine Plastiksäckchen gefüllt – frischer kann Meeresfrüchte wohl kaum genießen.

Geöffnete Austern
… und so werden sie verkauft
Ein wunderschönes Fleckchen Erde hier!

Der Abend endete so, wie ein schöner Geburtstag enden sollte.

Wir saßen noch lange auf der Veranda, mit Blick aufs Meer, als Paula und Andreas dazukamen. Gemeinsam öffneten wir eine Flasche Wein, plauderten, lachten und ließen den Tag ganz gemütlich ausklingen.

Es war ein wunderschöner Geburtstag.

Geburtstagsessen – so lecker 😋
… und dieser Sonnenuntergang!

Heute Morgen bin ich aufgewacht und habe noch einmal diesen Blick genossen: durch die Hängematte hinaus auf den endlosen Sandstrand und den Pazifik. Ein Bild, das ich wohl nicht so schnell vergessen werde.

Mein letzter Blick.

Blick auf den Balkon, die Hängematte & das Meer

Denn heute beginnt die Heimreise.

Natürlich durfte ein letzter Spaziergang am Strand nicht fehlen.

Menschenleer
Das Vogelflotte knapp übers Meer

Unsere Fußspuren zogen sich durch den feuchten Sand, während die Wellen unermüdlich ans Ufer rollten.

Deine Spuren im Sand … die ich gestern noch fand

Wir begegneten einen Truthahngeier auf der Suche nach dem Frühstück, und wenig später kamen uns sogar Pferde am Strand entgegen.

Frühstück
Pferde am Strand

Und dann gab es noch diesen Moment, der mich ordentlich erschreckt hat.

Ein Fischer kam mit einem Plastiksack auf uns zu. Ehe ich wusste, was passiert, zog er plötzlich eine riesige Languste heraus und hielt sie stolz in die Höhe. Mein erster Gedanke war wahrscheinlich an meinem Gesicht abzulesen.

Frische Langusten

So nah und frisch gefangen, hatte ich diese beeindruckenden Tiere selten gesehen.

Den Rest des Tages verbrachten wir einfach am Strand. Ohne Programm. Ohne Termine. Nur mit dem Rauschen des Meeres, dem Wind in den Palmen und dem Wissen, dass diese wunderbaren Tage nun langsam zu Ende gehen.

Manchmal sind es genau diese letzten Stunden einer Reise, die man besonders fest im Herzen abspeichert.


Am Abend hieß es dann endgültig Abschied nehmen. Wir fuhren zum Flughafen nach Talara und hoben ein letztes Mal über der peruanischen Küste ab. Während unter uns die Lichter langsam kleiner wurden, gingen die vergangenen Tage noch einmal durch unseren Kopf – die Wellen des Pazifiks, die langen Strandspaziergänge, die Begegnungen mit Menschen, die wunderschönen Sonnenuntergänge und all die kleinen Momente, die eine Reise besonders machen.

In Lima verbrachten wir nur noch wenige Stunden, denn schon am nächsten Morgen begann die lange Heimreise. Um 9:25 Uhr hob unser Flug Richtung São Paulo ab, von dort ging es weiter nach Frankfurt und schließlich nach Graz.

Rucksack einfoliert

Nach vielen Wochen unterwegs fühlte sich dieser Moment bereits ein wenig nach Heimreise an. So sehr wir das Reisen lieben und die Welt uns immer wieder begeistert, eines ist genauso schön: nach Hause zu kommen. Österreich ist und bleibt für mich mein Favorit – und egal, wie weit wir reisen, die Freude auf die Heimat reist immer mit.

Auf geht’s – Österreich 🇦🇹 wir kommen!

Wenn alles planmäßig verläuft, werden wir am Samstagmittag wieder zu Hause sein – mit vielen Erinnerungen im Gepäck und dem Gefühl, einen weiteren wunderbaren Flecken dieser Welt kennengelernt zu haben.

Peru hat uns beeindruckt, überrascht und berührt. Und wie so oft auf Reisen bleibt am Ende nicht nur die Erinnerung an die Orte, sondern vor allem an die Menschen und die Geschichten, die wir mit nach Hause nehmen.

Hasta luego, Peru.

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