Während ich schon woanders bin


Vor ein paar Tagen lag ich in einer Hängematte am Meer.

Die Sonne schien.

Vor mir glitzerte das Wasser.

Eigentlich hätte ich diesen Moment einfach nur genießen müssen.

Aber während ich dort lag, war ich gedanklich schon eine Woche weiter.

Ich überlegte, wohin wir am nächsten Wochenende fahren könnten.

An die ligurische Küste vielleicht?

Welcher Ort würde uns gefallen?

Wo könnten wir mit Toni stehen?

Welche Promenade wäre schön für einen Abendspaziergang?

Und irgendwann musste ich über mich selbst lachen.

Da liege ich in einer Hängematte direkt am Meer – und beschäftige mich gedanklich bereits mit der nächsten Reise.

Das passiert mir öfter.

Nicht weil ich unzufrieden bin.

Ganz im Gegenteil.

Ich freue mich auf das Leben.

Ich liebe neue Ideen.

Ich plane gerne.

Ich entdecke gerne.

Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum mein Kopf oft schon einen Schritt weiter ist.

Manchmal sogar mehrere.

Besonders merke ich das auch in meinem Beruf.

Wenn Menschen mit mir sprechen, verstehe ich oft sehr schnell, worum es eigentlich geht.

Während ein Gedanke noch ausgesprochen wird, entstehen bei mir bereits die nächsten Überlegungen.

Nicht weil ich besser bin als andere.

Sondern weil mein Kopf einfach so arbeitet.

Früher wurde ich dadurch manchmal ungeduldig.

Heute weiß ich, dass jeder Mensch sein eigenes Tempo hat.

Und dass Zuhören manchmal wichtiger ist als Verstehen.

Deshalb versuche ich bewusst, bei meinem Gegenüber zu bleiben.

Nicht gedanklich vorauszulaufen.

Sondern wirklich da zu sein.

Genau wie im Leben.

Denn eigentlich machen wir das alle.

Wir denken an das Wochenende, während die Woche noch läuft.

Wir freuen uns auf den Urlaub und übersehen dabei den Frühling.

Wir planen das Morgen und verpassen dabei manchmal das Heute.

Dabei findet das Leben immer nur an einem einzigen Ort statt.

Im Hier und Jetzt.

Natürlich ist Vorfreude etwas Wunderschönes.

Sie schenkt uns Träume.

Sie gibt uns Ziele.

Und sie macht das Leben oft noch ein bisschen schöner.

Aber manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass auch die schönste Zukunft noch warten kann.

Denn dieser Moment hier kommt nie wieder.

Dieser Sonnenuntergang.

Dieses Gespräch.

Dieses gemeinsame Essen.

Dieser Tag.

Vielleicht besteht die Kunst des Lebens nicht darin, keine Pläne zu machen.

Dafür liebe ich neue Ideen viel zu sehr.

Vielleicht besteht sie vielmehr darin, beides zu können.

Sich auf morgen zu freuen.

Und trotzdem heute nicht zu verpassen.

Denn die nächste Reise wird kommen.

Die nächste Idee auch.

Und vermutlich werde ich schon bald wieder irgendwo sitzen und vom nächsten Abenteuer träumen.

Aber immer öfter nehme ich mich dann selbst an der Nase.

Atme tief durch.

Schaue mich um.

Und denke mir:

Es ist super schön hier.

Und genau in diesem Moment wird mir wieder bewusst:

Das Leben wartet nicht auf das nächste Wochenende.

Nicht auf die nächste Reise.

Nicht auf irgendwann.

Es findet genau jetzt statt.

Und vielleicht ist genau das die größte Kunst im Leben:

Nicht immer schon dort zu sein, wo wir als Nächstes hinwollen.

Sondern dort anzukommen, wo wir gerade sind.

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2 Kommentare zu “Während ich schon woanders bin”

  1. Liebe Irene ,ich fühle auch so .Die Freude auf das was kommt ist oft groß aber den Moment soll man auch genießen .Schön ist es auch am Abend auf den schönsten Moment des Tages zu Denken.Es wird einem plötzlich bewusst wie schön der Tag war .
    Alles Liebe Susanne

    • Liebe Susanne,

      da hast du so recht. Oft sind wir mit unseren Gedanken schon bei dem, was vor uns liegt, und vergessen dabei, wie schön das Heute eigentlich ist.

      Deine Idee, am Abend bewusst an den schönsten Moment des Tages zu denken, gefällt mir sehr. Manchmal sind es gerade die kleinen Augenblicke, die einen Tag besonders machen.

      Danke für deine lieben Worte. ❤️

      Alles Liebe
      Irene

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