Es gibt Dinge, die man nicht rational erklärt. Man setzt sich hinein – und grinst.
Genau so ist es mit meinem Wohnmobil.
Mein viel geliebter Toni, Baujahr 1998.
Der Name ist kein Zufall. Mein Vati hieß Anton. Als ich ein Kind war, waren wir viel mit dem Zelt unterwegs. Irgendwo zwischen Isomatte, Gaskocher und dem Geruch von feuchtem Gras habe ich damals meine Liebe zum Unterwegssein entdeckt. Zur Erinnerung an meinen Vater trägt mein Wohnmobil heute seinen Namen. Toni. Und jedes Mal, wenn ich losfahre, fühlt es sich ein bisschen wie Heimkommen an.
Ich habe mir Toni im Februar 2021 gekauft. Nicht, weil ich „ein Wohnmobil wollte“, sondern weil ich unabhängig sein wollte. Keine sinnlosen Stornogebühren mehr, nur weil das Wetter nicht so ist, wie ich es mir wünsche. Kein Ausharren an Orten, die sich falsch anfühlen. Wenn es mir irgendwo nicht gefällt, möchte ich einfach weiterfahren können. Ohne Diskussion. Ohne Rechtfertigung.
Ganz bewusst habe ich mich für ein altes Wohnmobil entschieden. Der Innenausbau von Pössl ist noch richtig stabil, nichts Klappriges, nichts Aufgesetztes. Und dieses Holz. Es macht alles warm, ruhig, heimelig. Kein Hochglanz, kein Showroom. Sondern ein Raum, in dem man bleiben möchte.
Bevor ich losgefahren bin, war Toni allerdings drei Monate in der Werkstatt. Eine komplette Generalsanierung. Eine ganze Scheibtruhe voller Rost wurde entfernt, er wurde neu lackiert und mit einer wunderschönen Folie wieder zum Leben erweckt. Danach kamen all die praktischen Dinge, die echtes Unterwegssein erst möglich machen: Dieselheizung, Wechselrichter, zweite Versorgungsbatterie. Freiheit auf vier Rädern. Besonders im Winter ist die Dieselheizung ein Traum – vorausgesetzt, die Batterie macht mit.

Ich war alle zwei Jahre auf der Caravan in Düsseldorf, habe mir Neuerungen angeschaut, Ideen gesammelt – und sie meinem Naturell entsprechend oft gleich umgesetzt. Nicht, um up to date zu sein, sondern um noch unabhängiger zu werden. Freistehen zu können. Nicht auf Campingplätze angewiesen zu sein. Mein eigenes Tempo zu leben.
Und dieses Tempo ist langsamer geworden. Obwohl ich Geschwindigkeit eigentlich liebe, fahre ich mit Toni selten schneller als 100 oder 110 km/h. Und weißt du was? Es fühlt sich gut an. Es ist ein Reisen ohne Zeitdruck, ohne Termine, ohne dieses permanente „Ich müsste eigentlich schon dort sein“. Ein Sich-fallen-lassen. Langsamer sieht man mehr. Und man kommt trotzdem an.
Ein riesiger Vorteil eines alten Peugeot Boxer ist außerdem, dass man ihn überall reparieren kann. Keine hochkomplexe Elektronik, keine Teile, die man erst um die halbe Welt bestellen muss. Das gibt Sicherheit und Gelassenheit. Beides Dinge, die auf Reisen unbezahlbar sind.
Toni hat mittlerweile über 300.000 Kilometer auf dem Tacho. Und trotzdem weiß ich: Ich werde ihn bis zum letzten Atemzug fahren. Mit einem Grinsen im Gesicht. Weil es nicht darum geht, wie neu etwas ist. Sondern darum, wie sehr es sich nach mir anfühlt.

Vielleicht ist genau das der wahre Luxus:
Ein fahrendes Zuhause, das mich nicht beeindrucken will – sondern begleitet.

