Kinderheim in Kathmandu, Nepal – ein Moment des Gebens, der mich bis heute begleitet.
Ich habe mir früher oft gedacht, dass Helfen ganz einfach ist.
Wenn man etwas hat, das man teilen kann –
dann tut man es einfach.
Ohne viel nachzudenken.
Bis ich einmal in Kenia war.
Wir waren mit einem Minibus unterwegs.
Staubige Straßen, Hitze, diese besondere Stille zwischen den Momenten.
Und dann kamen sie.
Kinder.
Sie liefen zum Bus, klopften an die Fenster, lachten, riefen etwas, das ich nicht verstand.
Unser Reiseleiter sagte:
„Wenn ihr Süßigkeiten habt, werft sie aus dem Fenster.“
Und ich wusste sofort:
Das kann ich nicht.
Ich wollte ihnen in die Augen schauen.
Ich wollte ihnen meine Hand geben.
Also habe ich das Fenster geöffnet
und meine Hand mit den Zuckerl hinausgestreckt.
Was dann passiert ist, hat mich völlig überrascht.
Die Kinder kamen alle gleichzeitig.
Sie griffen nach meiner Hand.
Zogen. Drängten. Hielten fest.
So fest, dass mir drei Männer helfen mussten,
mich im Bus zu halten.
Ich weiß noch, wie schnell sich alles verändert hat.
Von einem schönen Gedanken
zu einem Moment, der plötzlich zu viel wurde.
Meine Hand tat danach weh.
Tagelang.
Aber das war nicht das, was geblieben ist.
Es war dieses Gefühl.
Dass ich helfen wollte –
und plötzlich nicht mehr wusste, ob das überhaupt richtig war.
Dass gut gemeint
nicht automatisch gut ist.
Und dass wir oft glauben, Situationen zu verstehen,
in denen wir eigentlich nur zu Gast sind.
Einige Zeit später war ich in Istanbul.
Auf der Galatabrücke.
Trubel. Menschen. Geräusche. Leben.
Und mitten in diesem Alltag saß eine Frau.
Mit einem Kind im Arm.
Ohne Beine.
Ich blieb stehen.
Und in diesem Moment passierte etwas,
das ich bis heute nicht vergessen habe.
Ein Polizist kam.
Sein Ton war hart.
Seine Bewegungen noch mehr.
Es war kein normales Wegschicken.
Es war… zu viel.
Ich habe nicht lange nachgedacht.
Ich habe reagiert.
Ich habe ihn laut beschimpft.
Was dann folgte, war eine Nacht,
die ich so nicht geplant hatte.
Ich wurde mitgenommen.
Meine Gruppe fuhr ohne mich weiter ins Hotel.
Ich blieb zurück.
Allein.
Im Gefängnis.
Es war nur eine Nacht.
Aber eine, die gereicht hat.
Um zu verstehen,
dass Helfen nicht nur Mut braucht –
sondern auch Konsequenzen haben kann.
Und dass man manchmal handelt,
ohne zu wissen, was daraus entsteht.
Am nächsten Tag war alles wieder „normal“.
Ich war zurück bei meiner Gruppe.
Die Reise ging weiter.
Aber etwas in mir hatte sich verändert.
Nicht, weil ich etwas „richtig“ oder „falsch“ gemacht habe.
Sondern weil ich gespürt habe,
wie komplex solche Momente sind.
Seitdem sehe ich solche Situationen anders.
Nicht mit weniger Mitgefühl.
Aber mit mehr Bewusstsein.
Weil Helfen nicht immer bedeutet, etwas tun zu können.
Und auch nicht immer bedeutet, dass es besser wird.
Manchmal wollen wir helfen –
und merken, dass wir an unsere Grenzen kommen.
Dass wir nicht alles lösen können.
Nicht alles verändern.
Nicht immer das Richtige tun.
Und genau das auszuhalten,
ist vielleicht die größte Herausforderung.
Nicht wegzusehen.
Aber auch nicht zu glauben,
dass wir alles in der Hand haben.
Sondern da zu sein.
Mit dem, was wir geben können.
Und auch mit dem, was wir nicht geben können.
Und vielleicht ist genau das die ehrlichste Form von Helfen.


4 Kommentare zu “Ich wollte helfen. Und plötzlich war nichts mehr einfach.”
Ich habe ja von meinen senegalesische Patenmädchen erzählt. Genau genommen ist es zZ nur eins, die andere ist mit ihrer Ausbildung fertig und wird nicht studieren. Ihren Anteil ùberweise ich bis auf weiteres in einen generellen Ausbildungsfond.
Ich habe sie nie persönlich getroffen, auch schon weil mir die Betreuer vor Ort gesagt haben, dass ich mich nicht zu erkenn geben darf und ich nicht sicher bin, ob ich das bringen würde im eins zu eins.
Sie haben mir auch erklärt warum und das schlug in etwa in diese Kerbe.
Fazit: Ich überlasse das diesen Menschen, die das können und denen ich vertraue.
LG
R
ja – sicher die richtige Entscheidung – aber man ist ja lernfähig 😉
LG I
Bin ich froh, dass du das alles überstanden hast. Freu mich, dich wieder in die Arme nehmen zu können
😘🥰deine Schwester Ute
Danke mein Schwesterherz!