Irgendwann habe ich aufgehört, perfekt sein zu müssen


Es gab eine Zeit in meinem Leben, da wollte ich alles perfekt machen.

Nicht, weil es jemand von mir verlangt hat.

Sondern weil ich es selbst von mir erwartet habe.

Ich wollte am Abend ins Bett gehen und mit ruhigem Gewissen sagen können:

Ich habe alles getan, was möglich war.

Das gab mir Sicherheit.

Es gab mir das Gefühl, nichts versäumt zu haben.

Und ehrlich gesagt hat mich diese Einstellung auch weit gebracht.

Ich habe meine Arbeit immer mit ganzem Herzen gemacht.

Ich habe Reisen bis ins kleinste Detail geplant.

Ich wollte gut vorbereitet sein.

Nichts dem Zufall überlassen.

Nicht, weil ich alles kontrollieren wollte.

Sondern weil ich es einfach gut machen wollte.

Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass Perfektion einen hohen Preis hat.

Nicht finanziell.

Sondern emotional.

Sie kostet Kraft.

Sie kostet Energie.

Und manchmal kostet sie sogar die Leichtigkeit.

Ich setzte mich selbst unter Druck.

Nicht mein Chef.

Nicht meine Familie.

Nicht meine Freunde.

Ich selbst.

Und genau das machte den Unterschied.

Mit der Zeit begann sich etwas zu verändern.

Nicht von heute auf morgen.

Es war ein langsamer Prozess.

Ich merkte, dass ich vieles immer noch genauso gut machen konnte.

Aber ohne diesen ständigen Druck, dass alles perfekt sein musste.

Heute bereite ich mich genauso gewissenhaft auf eine Reise vor.

Ich plane.

Ich recherchiere.

Ich organisiere.

Aber wenn unterwegs etwas anders kommt als geplant, bringt mich das nicht mehr aus der Ruhe.

Früher hätte mich so etwas wahrscheinlich tagelang beschäftigt.

Heute denke ich mir:

Gut, dann machen wir eben etwas anderes.

Und oft entstehen genau daraus die schönsten Erinnerungen.

Auch in meinem Alltag hat sich etwas verändert.

Es gibt Situationen, in denen ich früher wahrscheinlich aus der Haut gefahren wäre.

Heute atme ich einmal tief durch.

Nicht immer.

Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich das behaupten würde.

Auch heute rutsche ich manchmal noch in mein altes Muster.

Dann möchte ich wieder alles sofort lösen.

Alles perfekt machen.

Alles richtig machen.

Doch inzwischen merke ich es viel schneller.

Und dann halte ich einen Moment inne.

Ich lächle manchmal sogar über mich selbst und frage mich:

Ist das wirklich notwendig?

Die Antwort lautet erstaunlich oft:

Nein.

Denn ich habe gelernt, dass es einen Unterschied gibt zwischen Sorgfalt und Perfektionismus.

Sorgfalt bedeutet, etwas mit Liebe zu machen.

Perfektionismus bedeutet oft, sich selbst unter Druck zu setzen.

Das eine gibt mir Energie.

Das andere nimmt sie mir.

Heute investiere ich diese Energie lieber in Dinge, die mein Leben bereichern.

In Gespräche.

In Reisen.

In meine Familie.

In meine Arbeit.

In Menschen.

Und manchmal auch einfach in einen Sonnenuntergang, den ich früher vielleicht gar nicht richtig wahrgenommen hätte, weil ich gedanklich schon beim Nächsten gewesen wäre.

Ich glaube, wir dürfen alle hohe Ansprüche an uns haben.

Sie bringen uns weiter.

Sie lassen uns wachsen.

Aber vielleicht müssen wir nicht jeden Tag beweisen, dass wir perfekt sein können.

Vielleicht reicht es völlig aus, wenn wir unser Bestes geben.

Mit Freude.

Mit Leidenschaft.

Und mit einem Herzen, das nicht ständig unter Druck steht.

Denn genau das habe ich gelernt:

Ich bin nicht gelassener geworden, weil mir plötzlich alles egal ist.

Ich bin gelassener geworden, weil ich verstanden habe, dass nicht Perfektion mein Ziel sein muss.

Sondern ein Leben, das sich gut anfühlt.

Und wenn ich heute doch einmal in mein altes Muster zurückfalle, stelle ich mir nur noch eine einzige Frage:

Ist das wirklich notwendig?

Meistens lächle ich dann.

Und lasse los.

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2 Kommentare zu “Irgendwann habe ich aufgehört, perfekt sein zu müssen”

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